Filme

Die Liste der in Singapur gedrehten Filme ist lang, alle aufzuführen wäre unmöglich, daher soll hier nur eine Auswahl vorgestellt werden. Besonders Filme des Regisseur Eric Khoo seien erwähnt, denn er gehört wohl zu den Bekanntesten. Seine Low-budget Filme sind auf das sozial schwache und abgründige Singapur spezialisiert. Zunächst war Eric Khoo durch seine mehrfach ausgezeichneten Kurzfilme bekannt geworden bis er dann 1995 seinen Debütfilm Mee Pok Man drehte. In dem durch schwarzen Humor geprägten Film geht es um den männlichen Hauptdarsteller Johnny, einen chinesischen Nudelverkäufer, daher auch der Namen mee pok. Er fristet sein Dasein mit dem Verkauf des billigen Gerichts vorwiegend an Prostituierte in Singapur. Für einen seiner Kunden, die Hure Bunny, entwickelt der junge Mann starke Gefühle. Bunny träumt von ihrem ausländischen Kunden, einem Fotografen aus ihrem Elend geholt zu werden. Ein Autounfall bringt die Beiden zusammen und Johnny versorgt die verwundete Bunny in seinem Zimmer. Der Film wurde nach seinem Erscheinen in Singapur zunächst mit einem R(A) rating, über 21 Jahren, belegt, welches 2005 in eine M18 herabgestuft wurde. Der Soundtrack ist größtenteils von singapurischen Künstlern, wie Padres, Opposition Party und Livonia.

Ein 1997 in der Un Certain Regards Sektion bei den Cannes Film Festivals gezeigter Film von Eric Khoo ist 12 Storeys. Der Film verbindet drei verschiedene Geschichte miteinander, die alle in dem gleichen Gebäude, in drei Sozialbauwohnungen in Singapur spielen. Der Film beginnt mit dem Selbstmord eines jungen Manns in eben jenem Haus. Nach seinem Tod verbleibt sein Geist in dem Gebäude und beobachtet das schwierige Leben der drei Parteien. Zunächst ist da die Geschichte "China Bride" über Ah Gu, den Seifenverkäufer, der von seiner geldhunrigen chinesischen Ehefrau tyrannisiert wird. "San San", Name und Geschichte einer übergewichtigen Singlefrau, die seit ihrer Jugend mit einem psychischen Schaden, ausgelöst durch ihre Mutter, behaftet und stark selbstmordgefährdet ist. Schlussendlich lebt noch Meng, der "Sister`s Keeper" und seine beiden jüngeren Geschwister in dem Haus. Von den Eltern alleingelassen, kümmert sich Meng um seine Schwester Trixie und seinen Bruder Tee. Der Film zeichnet ein Bild der dunklen Seite des singapurischen Lebens, abseits des Luxus und Wohlstands. Städtische Isolation und Entfremdung sind die Hauptthemen des Films.

Eine Hong Kong - Singapur Produktion, von Yonfan, einem der bedeutendsten Regisseure des asiatischen Indic-Kinos, geleitet,  ist der 1995 erschienene Film Bugis Street. Thema des Films ist das Leben von Transvestiten in der vergangenen Ära der Bugis Street. Der Film spielt in Singapur Ende der 1960er Jahre. Die weibliche, 16jährige Hauptdarstellerin Lian ist neu in die Stadt gekommen und sucht eine preisgünstige Unterkunft. Sie findet ein Zimmer im Sin Sin Hotel bei den dort lebenden netten Damen. Doch am nächsten Morgen bekommt Lian einen Schock als sich herausstellt, dass die Damen eigentlich Männer sind. Sie überwindet aber ihre anfänglichen Abneigungen und die Damen nehmen sich ihrer herzlichst an und führen sie in das Geschäft und Leben mit der käuflichen Liebe ein. Lian lernt schnell und begreift bald "Liebe ist wie dieses Hotel, nichts bleibt für immer."

Ein in Singapur spielender Film über den Zweiten Weltkrieg ist der 1965 erschienene King Rat nach dem Buch von James Clavell, gedreht von Bryan Forbes. Der Film spielt im Gefangenenlager Changi in der Nähe Singapurs. Nach der Kapitulation 1942 werden viele britische und amerikanische Soldaten in das berühmt Lager gebracht, dass durch seine nicht vorhandenen Mauern bekannt wurde, da es keinerlei Fluchtmöglichkeiten für die Gefangenen gab. Unter ihnen ist auch der amerikanische Corporal King. Im Gegensatz zu den anderen Gefangenen, die im Lager ums Überleben kämpfen, geht es King durch seine Zusammenarbeit mit den Japanern und dem Handel mit Rattenfleisch auf dem Camp internen Schwarzmarkt sehr gut. Ein Film über das Überleben und die Korruption in Gefangenenlagern.

Doch auch im letzten Jahrzehnt wurde immer wieder Film in Singapur gedreht. Die Bollywood Produktion Krrish, der Sternenheld von 2006 spielt zu 60% in Singapur. Orte waren unter anderem der Singapur Zoo, das Gateway Building und die Singapore National Libary. Der Science-Fiktion Film ist der zweite Teil aus der Superheld Krrish Reihe.

Ebenso wurden Teile von Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearls im August 2005 in Singapur gedreht. Da die Epoche des 18. Jahrhunderts nicht sonderlich gut dokumentiert ist für Singapur wurde der Filmset chinesischen und malaiischen Städten der Zeit nachempfunden.

Ein singapurianischer Science-Fiktion Film ist Avatar, auch als Matrix Hunter bekannt, von 2004. Der Film wurde von dem Singapurianer Kuo Jian Hong 2001 gedreht. Der Film spielt in der nahen Zukunft, wenn die Menschheit mit Mikrochips ausgestattet ist und in einem Cybernet verlinkt ist. Eine Kopfgeldjägerin ist auf der Suche nach einem Kriminellen um ihm das Handwerk zu legen.

Allgemein entwickelte sich die singapurische Filmindustrie erst nach der Unabhängigkeit 1965. 1991 erscheint mit Medium Rare der erst vollständig in Singapur finanzierte Film über die wahre Begebenheit des Kultmörders Adrian Lim, der 1988 gehängt wurde. 1998 wurde die Singapore Film Commission (SFC) ins Leben gerufen und Money not enough ist finanziell der bisher größte Erfolg des singapurischen Kinos. Eric Kooh´s Sozialdrama The Magic schafft es 2008 als erster singapurischer Film für die Palme d´Or beim Cannes Film Festival nominiert zu werden. Seit 2010 wird die Filmszene in Singapur vorwiegend von jungen Regisseuren dominiert. Besondere Boo Junfeng, zunächst für seine preisgekrönten Kurzfilme bekannt, verschafft sich mit seinem Debütfilm Sandcastle internationale Anerkennung. Der ruhige Film dreht sich um Familiengeheimnisse und die Geschichte Singapurs. Der 18 jährige Xiang En lebt mit seiner verwitweten Mutter zusammen. Während der Renovierungsarbeiten des Familienhauses beschließt der Junge zu seinen Großeltern zu ziehen. Die Erinnerungen des Großvaters über das Leben von Ens Vater während der Studentenproteste in den 1950er und 60er Jahren bringen den Sohn zu weiteren Recherchen über das Leben und Handeln seines Vaters.

Der Film wurde als erste singapurische Produktion bei der International Critic´s Week beim Cannes Film Festival ausgewählt und von The Wall Street Journal als einer der beachtenswertesten asiatischen Filme 2010 aufgeführt.